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Apr 12 2008

Rotten Neighbors

Geschrieben von: FLORIAN KÖPPE in Netzfundstücke

„rotten neighbors“ bedeutet so viel wie „miese Nachbarn“ und diese kann man nun öffentlich auf der Internetseite rottenneighbors.com denunzieren. Dies geschieht mit der Angabe des Namen und den Verfehlungen die der Nachbar begangen hat. Damit das ganze auch noch einen Wert für die zukünftige Immobiliensuche hat, sind die einzelnen Einträge per Google Maps gemappt. Man sollte glauben, das diese Seite nur in dem Erscheinungsland USA interessant sein mag, aber durch den unheimlichen Medienhype wird dieses Phänomen auch hier Zulande immer populärer. Mein Heimatort Kiel verzeichnet doch immerhin schon einen Eintrag. Puhh, ich bin es nicht. Ich mach erstmal die Musik leiser.

rottenneighbors.com

Was hälst du von rottenneighbors.com?
Ist diese Seite ein Eingriff in deine Persönlichkeitsrechte und der Verfall jeglicher Moral,
oder ist es eine praktische Idee um deine Wohnungssuche zu erleichtern?
Wenn du eine Meinung dazu hast, dann schreib einen Kommentar und eröffne somit die Diskussion zu diesem Thema!

Beitrag zum Thema in der ARD Mediathek:

B5 Aktuell – Das Computermagazin | Ausgabe 13.07.08

Welt-Online schreibt:

Jetzt giften sich Nachbarn im Internet an

In den USA werden Nachbarschaftskriege ab sofort im Internet ausgetragen. Bei Rottenneighbors.com kann jeder einen Kommentar zu seinen Nachbarn hinterlassen. Es wird gelästert, was das Zeug hält. Doch die Schmähattacken könnten teuer werden.
Eine anonyme Familie in Wylie im US-Bundesstaat Texas scheint ernsthafte Probleme zu haben. Fünf Sprösslinge nennt sie ihr Eigen, und sie sind ihr allesamt schnurz: Die lieben Kleinen dürfen nach Belieben toben und tollen, und niemand kümmert sich um sie. Vor dem Haus der Familie stand drei Monate lang ein Autowrack. Eines Tages ergriff der 16-jährige Filius des Hauses einen Baseballschläger und zerdepperte die Blechkiste: Zuerst schlug er die Scheiben ein, dann sorgte er für ein paar hübsche Beulen. Überhaupt – wie es bei diesen Leuten aussieht! Im Garten stapelt sich der Müll. Das Gras wächst meterhoch. Abends kann man hören, wie Madame und Monsieur lauthals ihren Ehekrieg austragen.
Diese aus dem prallen Menschenleben gegriffene Horrorgeschichte findet man auf der funkelnagelneuen Web-Seite Rottenneighbors.com. Dort kann jeder Mensch, dem der Sinn danach steht, sich im Internet lang und breit über seine Nachbarn beschweren. „Endlich hat jemand den Mut, etwas über diese Störenfriede zu veröffentlichen!“, heißt es in einem Kommentar zu dem Eintrag über die ungezogenen Gören. Wesentlich harmloser sind da jene Irritationen, die einer Dame aus Indianapolis – sie nennt sich „NuttyBlonde“, also „irre Blondine“ – zu schaffen machen. Sie schreibt: Ihr Nachbar habe die peinliche Angewohnheit, nur mit der Unterhose bekleidet zum Briefkasten zu laufen. Tagsüber öffne er mitunter die Tür und habe keinen Faden Stoff am Leib. Kein schöner Anblick, denn der Typ sei gut im Futter – „his belly hangs over his dong“. Das übersetzen wir jetzt mal lieber nicht.
Rottenneighbors.com wurde von Brent Walker gegründet, einem 27-Jährigen aus San Diego. Die Web-Seite ist als nützliches Werkzeug gedacht: als Entscheidungshilfe für Hauseigentümer in spe. „Die Leute haben ein Recht darauf zu wissen, ob ihre Nachbarn schlecht sein werden“, sagt Brent Walker. „Wozu Millionen Dollar ausgeben, um dann festzustellen, dass man grauenhafte Nachbarn hat, die Entscheidung also falsch war?“ Walkers Web-Seite funktioniert sehr einfach. Man tippt seine Postleitzahl ein, daraufhin erscheint eine Satellitenkarte der angewählten Gegend. Über die schwarz-weiße Karte verstreut, erblickt der neugierige User Symbole von Häusern in warnendem Rot; sobald man sie anklickt, kann man die Beschwerden lesen.
Mancher Eintrag erinnert an den alten Witz von dem Mann auf der Autobahn, der sich darüber beklagt, ihm kämen leider Hunderte von Geisterfahrern entgegen. Da beschwert sich ein Mann aus Louisiana, er sei von unmöglichen Leuten umzingelt, die ihm allesamt gehörig auf die Nerven gingen – bei ihm handle es sich aber nun mal um einen kreativen Künstler, Einspruch zwecklos. Andere Einträge wurden offenbar von der brüllenden Paranoia diktiert. Die Behörden setzten kaum wahrnehmbare Schallwellen ein, um Bürger aus ihren Jobs und ihren Häusern zu vertreiben, melden da Kohorten von Großbuchstaben. Diese staatliche Geheimwaffe habe schon folgende Gegenden verseucht … – es folgt eine ausführliche Auflistung.
Erstaunlich wenige rote Haussymbole findet man auf der Karte von New York, wenn man bedenkt, dass hier mehr als acht Millionen Menschen auf ziemlich engem Raum miteinander auskommen müssen. Wahrscheinlich haben die Einwohner von New York sich halt längst an die Frau aus dem Apartment 5 H mit den hochhackigen Schuhen gewöhnt, die jeden Nachmittag punkt 4:15 Uhr tout le monde an ihren sexuellen Ekstasen teilnehmen lässt. Man muss sich in New York schon sehr merkwürdig aufführen, um eines Eintrags auf Rottenneighbors für würdig erachtet zu werden. Gelungen ist dies wohl einem vorbestraften Kinderschänder aus Minnesota, der sich zur Frau umoperieren ließ und derzeit offenbar in Greenwich Village Leuten auf offener Straße heiße Liebesschwüre ins Ohr bläst. Die vornehme Upper West Side in Manhattan zeigt zur Abwechslung sogar mal ein grünes Haussymbol: zum Zeichen, dass hier besonders nette Nachbarn wohnen.
Gewiss, man kann über diese Web-Seite ins Grübeln und sogar ins Streiten geraten. Werden bei Rottenneighbors.com die Leute nicht verleitet, ihren inneren Schweinehund – oder genauer gesagt: ihren inneren Blockwart – von der Leine zu lassen? Schließlich ist es in der Anonymität des weltweiten Netzes der Computer leicht, auf andere mit dem elektronischen Finger zu deuten, die Überprüfung des Wahrheitsgehalts der Beschwerden jedoch unmöglich. Brent Walker gibt zu, dass verschiedene denunzierende Einträge von ihm und seinen Mitarbeitern schon gelöscht werden mussten. Verwandelt sich die Menschheit dank Rottenneighbors.com bald in eine Meute von Empörungsvirtuosen, die durch Schlüssellöcher linsen, hinter Duschvorhänge schielen und dann hechelnd in die Tasten hacken, was sie gerade bei Müllers von nebenan miterleben mussten?
Zumindest in Amerika dürfte diese Art von Wahnsinn durch eine andere in Schach gehalten werden: die ständig lauernde Bereitschaft, einander zu verklagen. Wehe, wenn der erste Nachbar, der seinen Ruf durch Rottenneighbors.com geschädigt sieht, die Betreiber der Internet-Seite vor den Kadi schleppt! Da es im angelsächsischen Recht „punitive damages“ gibt – das sind Entschädigungszahlungen, die mit Absicht unverhältnismäßig hoch ausfallen –, könnte das Milliarden kosten.

original Artikel bei Welt-Online

Readers Edition schreibt:

Der größte Lump im ganzen Land…

Deutschland – führendes Land der Denunzianten, Spitzel und Neider?
“Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant”. Ein Zitat von Hoffmann von Fallersleben, dessen Wahrheitsgehalt sich in diesen Tagen mehr denn je beweist…

Big Brother’s Way Of Life

Was ist los mit Deutschlands Bürgern? Da werden Menschen angeschwärzt, Verleumdungen ausgesprochen, unbestätigte Gerüchte in die Welt gesetzt. Es kümmern sich immer mehr Menschen um andere, nicht weil sie ihre Hilfe anbieten wollen, sondern weil man die Anderen im Sinne des begehrten Volkssports mit Vorliebe niedermachen möchte. Neid und Hass werden geschürt, während man Schuld und Gründe der eigenen Unzufriedenheit grundsätzlich bei Anderen und Unbeteiligten sucht. Da unsterstützen Fernsehformate, wie die Endemol-Produktion “Big Brother”, die niedersten menschlichen Instinkte, Eigenschaften und Beweggründe eines Menschen durch heftiges Denunziantentum, um sich selbst ins rechte Licht rücken zu können, während der gesamten Welt durch die US-Internetseite “rottenneighbors.com” detailliert dargestellt wird, wie leicht der Einzelne seinen ahnungslosen Nachbarn bloßstellen kann, ohne selbst der Anonymität entschwinden zu müssen.

Denunziation als Straftatbestand

Je nach Sichtweise kann Denunziation auch als Straftatbestand, als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden, wenn dem Betroffenen dadurch erhebliche psychische, physische oder eine Karriere belastende Nachteile entstehen. Sehr eng miteinander verwobene Kommunikationsformen sind hier die Verbreitung von Gerüchten, Unwahrheiten, nicht begründbarer Einschätzungen und Denunziationen, die oft angewandt werden, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Oft werden übergeordnete, betriebliche und auch staatliche Stellen als Empfänger der Denunziationen angesprochen, also Instanzen, von denen etwa Sanktionen gegen den Denunzierten erwartet werden können.

An dieser Stelle erweist sich Denunziation als ein Mittel der sozialen Kontrolle. Staaten dient dies vor allem zur Informationbeschaffung und der Volkskontrolle, wie dies in Deutschland insbesondere unter Regimen wie dem Dritten Reich und der DDR stattgefunden hatte. Nationalsozialisten und auch die Genossen der SED-Führung waren faktisch auf Denunzianten angewiesen, um ihre Interessen und Menschenrechtsverletzungen durchsetzen zu können.

Blockwarte der Neuzeit

Auch die vermeintliche Internet-Anonymität verleitet Menschen immer wieder dazu, die Grenzen des sozialen Anstands und des guten Geschmacks gegenüber Mitmenschen bis hin zur Rechtswidrigkeit schamlos zu überschreiten. Ahnungslose werden in ihrer Privatsphäre heimlich gefilmt, fotografiert und auf diese Weise im World Wide Web angeprangert. Lügen und persönlichkeitsverletzende Äußerungen sind ebenfalls an der Tagesordnung. Weshalb aber spielen unsere selbst ernannten Blockwarte der Neuzeit im Rahmen unserer demokratischen Rechtskultur nicht mit offenen Karten? Was also haben sie selbst der Öffentlichkeit gegenüber zu verbergen? Handelt es sich möglicherweise weder um Revoluzzer noch um Demokraten, die man als feige Störenfriede einstufen müsste, da sie für ihre Aktionen nicht zur Rechenschaft gezogen werden wollen? Handelt es sich also um Menschen, denen jegliches Selbstwertgefühl aus unerklärlichen Gründen abhanden kam und die für ihre Denunziationen keine Verantwortung übernehmen können und wollen?

Es ist Krieg auf dem Schlachtfeld verantwortungsfreier Denunzianten

Eine zu erwartende Diskussionskultur beïnhaltet in aller Regel nicht den Haftungsausschluss sondern die Fähigkeit, seine Äußerungen, Aktivitäten und publizierten Inhalte aufrichtig begründen zu können. Genau hiervon scheinen Denunzianten, deren Aufgabe es zu sein scheint, Mitmenschen aus dem Hinterhalt einen Dolchstoß zu versetzen, ohne selbst dafür Verantwortung zu übernehmen, Kilometer weit entfernt. Es ist Krieg auf dem Schlachtfeld verantwortungsfreier Denunzianten. Dennoch scheint unsere deutschen Denunzianten, von denen erst kürzlich festgestellt wurde, dass sie beispielsweise bei “rottenneighbors.com” weltweit den Löwenteil ausmachen, etwas umzutreiben.

Umbruchzeiten rechtfertigen keine Denunziationen

Eine besondere Anfälligkeit für Denunziationen gab es seit jeher in Umbruchzeiten, in denen Menschen häufig das Bedürfnis hatten, selbst für Regeln und Ordnung zu sorgen, weil ihrem Empfinden nach die gewohnten Systeme durcheinander gerieten. Durch ihre verräterrischen Machenschaften wollten sie glänzen und belohnt werden, ohne Verantwortung dafür zu übernehmen, was sie den Denunzierten damit antaten. In Diktaturen kam es in Folge bekanntlich nicht selten zu Folterungen und Hinrichtungen von denunzierten Menschen. Wie wir bemerken, hat aber auch eine Demokratie seine nicht zu knapp gesäten Denunzianten und es hat den Anschein, als seien denen jedwede Folgen völlig gleich oder gerade recht.

Das Fazit

Unsicherheit macht sich breit und wiederholt stellt man sich die geschichtlichen Fragen “Wem stehe ich gerade gegenüber – Was darf ich von mir preisgeben – Womit muss ich hinterm Berg halten – Ist die Freundlichkeit meines Nachbarn echt – Wer will mich für seine Zwecke oder niederen Motive ausspionieren?” Das Misstrauen wächst im persönlichen, privaten wie beruflichen Umfeld zusehens. Hüten muss man sich in diesem Rahmen vor unbegründeten Verdächtigungen oder gar der Annahme, in jedem uns unbekannten Menschen zunächst einmal einen potentiellen Denunzianten sehen zu müssen. Aber die Unsicherheit wächst mit jedem Tag und jeder Stunde, an denen uns selbst durch Medien und Politik direkt oder indirekt mitgeteilt wird, dass auch in aktueller, demokratischer Kultur das Denunziantentum nicht nur normal ist, sondern sogar seine Daseinsberechtigung genießt. So lange dies der Fall ist, verwundert es keinesfalls, dass gerade Deutschland auf solch Schmutz kultivierenden Internetseiten wie “rottenneighbors.com” weltweit die führende Rolle einnimmt.

Öffnet die Augen, um zu sehen. Sonst werdet ihr sie brauchen, um zu weinen!

original Artikel bei Readers Edition



nein dankenajaganz nettinteressantsehr interessant
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  • London Map von NB Studio
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Tags: Mapping, Nachbarn, Netzfundstücke, Social Community

Geschrieben am Samstag, 12. April 2008 um 7:47 Uhr und ist zu finden in Netzfundstücke.

3 Antworten zu “Rotten Neighbors”
  1. apps associates sagt:

    1. Juni 2008 an 18:22 Uhr

    Nice Site!
    http://google.com

  2. Weber sagt:

    28. August 2008 an 10:53 Uhr

    ich finde die möglichkeit im Internet jemanden anzuzeigen nicht schlecht.
    Begründung: es gibt Menschen, die haben wirklich etwas verprochen.
    Und wurden dafür niemals bestraft.
    Ich spreche aus eigener Erfahrung.
    Z.B. lernte ich vor einigen Jahren eine Frau kennen, die mir bei einem Volksfest einen Typ zeigte der sie vor
    20 Jahren sie war damals 16 vergewaltigte. Sie hat ihn nie angezeigt, weil er dan Rache an ihr und der Famielie nehmen
    wollte. Der Typ ist heute ck. 58 Jahre. Und das war nicht die einzigste Vergewaltigung. Was ich auch beweisen könnte.
    Warcheinlich macht der das heute noch. Z.Z fährt er munder Taxi. Die Tat ist laut den sau Gesetzen leiter verjährt.
    Somit könnte mann vor diesen Typ im Internet warnen. Damit es nicht noch mehr Opfer gibt.
    Das ist meine Meinung.Und ich weis was ich sage. Ich bin 44 Jahre/männlich und von Beruf Angestellter.

  3. peitzer sagt:

    7. September 2008 an 21:58 Uhr

    Mittlerweile findet man unter http://www.nachbarn.1bis6.net eine deutsche Variante von http://www.rottenneighbor.com. Außerdem: http://www.arbeitskollen.1bis6.net (Arbeitskollegn bewerten Arbeitskollegen), http://www.expartner.1bis6.net (Expartner bewerten Expartner), http://www.schueler.1bis6.net (Schüler bewerten Schüler), http://www.lehrer.1bis6.net (Lehrer bewerten Schüler, Lehrer bewerten Lehrer).

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