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Sep 07 2007

Medienbezug des Narzissmythos bei McLuhan und Ovid

Geschrieben von: FLORIAN KÖPPE in Wissenshunger

Schon bei Ovid findet man in der Beschreibung des Narzissmythos, eine Medientheoretische Reflexion. In diesem, noch weit vor der Zeit des Medientheoretischen Diskurses entstandenen Mythos, kann man wichtige Ansätze für die heutige Betrachtung der Medien entnehmen. Dies geschieht hauptsächlich in der Theorie, das der Spiegel als Medium begriffen werden kann, was auf die heutigen Medien, allem voran der Film, anzuwenden ist.

Der Begriff des Spiegelmediums ist philosophisch auch als Erkenntnismedium zu verstehen.. Wenn man den Begriff des Erkenntnismediums definiert, ist es wichtig zu Bedenken, das solch ein Medium auch immer ein Medium des trügerischen Scheins darstellt, das Bedeutet, dass es etwas Vortäuschen kann. Also ist das Spiegelmedium das Medium der Erkenntnis auf der einen Seite und das des trügerischen Scheins auf der anderen.
Betrachtet man den Spiegel in der Praxis dient er der Ausrichtung an einem Ideal, diese wiederum führt zur Selbsterkenntnis. Einige Jahre früher schrieb Platon: „Schauen wir also auf Gott und unter den menschlichen Dingen auf die Tugend der Seele, so bedienen wir uns jenes vortrefflichsten Spiegels und so würden wir uns selbst am besten sehen und erkennen.“ Bei Platon ist also das Ideal nicht der Mensch selber, sondern eine projizierte Idealgestalt namens Gott.
Auch in heutigen Filmen ist der trügerische Schein ein Thema, betrachtet man zum Beispiel den Film „Matrix“, indem die ganze Welt eine projizierte Idealvorstellung darstellt.

Nun stellt sich die Frage, wieso neben allen Medien, die als trügerisch bezeichnet werden, der Spiegel das Erkenntnisträchtigste ist? Ovid gibt eine Antwort in seinem Gedicht über den Narzissmythos: „Wenn du dich wendest; du seihst ein nichtiges Spiegelgebilde; Eigenes Wesen gebricht ihm: mit dir erscheint es und dauert, Mit dir geht es hinweg – wofern du zu gehen vermöchtest!“ Das bedeutet, dass der Spiegel immer nur dann ein Medium ist, wenn der Betrachter davor steht. Es ist kein Abbildmedium, das sich nicht als solches zu Erkennen gibt. Die Erkenntnisträchtigkeit liegt darin sich selbst als Medium zu erkennen.
So kann man sagen, dass der Mensch in den heutigen Medien, sich selbst sucht. Er benutzt die Spiegelmedien um sich selbst zu erkennen. Das geht hin bis zur „Bravo“, aber auch Fotografie, die in der Medientheorie auch oft als „Gefrierspiegel“ bezeichnet wird, dient dieser Erkenntnis.
Diese Theorie stellt eine Schlüsselfrage dar, indem sie die Frage der Identität mit der Frage der Medien verbindet.

Den Text „Verliebt in seine Apparate/Narzissmus als Narkose“ von McLuhan kann man als direkte Fortsetzung der Theoriebildung Ovids begreifen. Er beschreibt darin, dass Narziss sein Spiegelbild nicht als sich selbst erkennt, da die Ausweitung seiner selbst ihn betäubt. Dadurch verliebt Narziss sich nicht in sein Spiegelbild, sondern ist fasziniert von dieser Ausweitung. Damit bezieht sich McLuhan auf seine Prothesen-Theorie, in der er den Medienbegriff ausweitet, indem er sagt, dass alle Dinge, die den Körper ausweiten, Medien sind. Somit verwirft er die traditionelle Auffassung des Narzissmythos als Selbstliebe.

Das grundlegende Problem von Narziss war, das er die Medialität des Spiegels nicht erkennt und zwangsweise in Flammen aufgegangen ist. Aus dieser Deutung kann man auch für die heutigen Medien sagen, das es wichtig ist, diese zu erkennen und um ihnen nicht zu verfallen. So kann man sagen, dass jedes Medium, was sich nicht als solches zu erkennen gibt, grundsätzlich gefährlich ist. Beispiel Film: Im Kinosaal, wird durch die Größe der Leinwand und dem bestreben nach einem möglichst naturgetreuen Klang, versucht das Reale Umfeld auszublenden. So nimmt der Konsument nicht mehr war, das sich ein Film aus einer Anreihung von Einzelbildern zusammensetzt. Das Medium verschleiert sich.
Auch die Forschung an einer virtuellen Realität (Cyberspace) ist unter diesem Gesichtspunkt kritisch zu betrachten. Dadurch, dass eine Realität künstlich dargestellt wird, ist plötzlich die Sinnlichkeit des Menschen medial. Das wirft die Frage auf: Gibt es noch einen Abstand zum Medium im Cyberspace?
Textgrundlage:
Verliebt in seine Apparate, aus Understanding Media 1964, von Marshall McLuhan
Metamorphosen, 3. Buch S. 105f., Z. 414–436, von Ovid





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Tags: Medientheorie, Wissen

Geschrieben am Freitag, 7. September 2007 um 17:25 Uhr und ist zu finden in Wissenshunger.

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